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Sonntagsdinner 2014

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Geschichte

Hamm`se Zivilcourage

Die Initiative gründete sich im Jahr 2000 als Reaktion auf den feigen und rassistisch motivierten Mord an einem jungen Menschen in Brandenburg.

Seither treffen sich über die Buchhandlung Seitenweise Menschen aus Institutionen, wie Kirchen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen sowie engagierte Bürger/innen aus Hamm, um mit Veranstaltungen einen gesellschaftlichen Beitrag zur Solidarität und Toleranz zu vermitteln.

Mit dieser Art von Selbstverständnis wurden und werden Veranstaltungen zu aktuellen Themen mit prominenten Referenten initiiert, die über den Stadt- teil Hamm hinaus Aufmerksamkeit erfahren. Die Themen der Veranstaltungen sind vielschichtig und immer mit aktuellem Bezug. Sie ermöglichen so, sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander zu setzen, insbesondere dann, wenn es um Zivilcourage geht und Standpunkte kritisch zu beleuchten sind.

Auf die Veranstaltungen wird öffentlich hingewiesen. Die Besucherzahlen haben den Bedarf an derartigen Veranstaltungen im Stadtteil bestätigt.

Kontakt: Elke Ehlert, Buchhandlung Seitenweise, Tel. 040 – 201 203

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Stadtteilportrait

Externer Link auf Hamburg Hamm bei Wikipedia

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Stadtteilplan

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Hammer Hämmer – Mein monatlicher Kiezrundgang

Hammer Hämmer – Mein monatlicher Kiezrundgang | Mai 2014

"Hammer Hämmer – Mein monatlicher Kiezrundgang | Mai 2014″ von Oliver Driesen (www.zeilensturm.de)

Frühling im schönsten Stadtteil der Welt. Ich will nicht angeben, aber ich wohne in Hamm. Im sagenumwobenen Hamburger Glamour-Stadtteil für die Hardcore-Bohème, drei U-Bahn-Stationen östlich vom Hauptbahnhof. Standort der berühmten Ballettschule von John Neumeier. Ein paar Häuser weiter hält sich seit 100 Jahren ein Laden unklarer Kategorie, wahrscheinlich Drogerie, aber eigentlich Kramladen. Man kann ihn kaum betreten vor Zeugs. Vielen anderen dieser bescheidenen Krimskramsläden ist in letzer Zeit der Garaus gemacht worden. Ersatz ist nicht in Sicht.

Hamm, Wiege des allerersten Café May, und das auch noch in meinem Rotklinkerblock, wo auch der Café-Gründer hauste. Statt in einem der anderen 500 Rotklinkerblocks. Bis er in anderen Ecken Hamburgs so viele weitere Café Mays geklont gegründet hatte, dass er vor Geld nicht mehr laufen konnte und wegziehen musste. Vielleicht in einen von diesen Langweiler-Stadtteilen westlich der Alster, Eppendorf oder Pöseldorf oder Blankenese, was weiß ich, der Ärmste.

Hamm, wo Kristian Bader seine legendäre Baderanstalt unterhält und bizarre Konzerte, Lesungen oder Trinkgelage veranstaltet. Und wo die beiden Buchhändlerinnen von „Seitenweise" den Stadtteil mit Volksbildung überziehen, ob er will oder nicht. Etwa, wer Arno Schmidt war, der sein größtenteils unverständliches, unles- und -verfilmbares Werk bei uns, in Hamm, geschaffen hat. Genauer gesagt: Er schuf es in Unten-Hamm.

Ich dagegen wohne in Oben-Hamm. Was in Borgfelde erst zaghaft anfängt, nämlich dass die eine Wohngegend etwas höher liegt als die andere, das erlebt man erst bei uns, kaum zwei Kilometer weiter, in seiner ganzen sozial brisanten Konsequenz: Oben-Hamm liegt auf dem Geestrücken, an die zehn Meter höher als der Teil, auf den wir hinabblicken. Weil wir nämlich die Gewinner der letzten Eiszeit sind: Damals schob sich die Endmoräne nur bis zur Hammer Dreifaltigkeitskirche. Ätsche, bätsche, aufgestanden, Platz vergangen!

Ach, die Dreifaltigkeitskirche. Das gibt es ja auch in ganz Hamburg nicht noch mal. Eine Architektur wie Alpha (Turm) und Omega (Kirchenschiff). Sensationell. Muss man gesehen haben. Auf dem Kirchhof ein uralter Grabstein mit Totenschädel-Relief, in den eingraviert steht: "Lernet Sterben!" Jetzt, im Frühling!

Hamm verdanke ich die Erfahrung, dass man Kultur oder Schönheit oder Inspiration viel toller findet, wenn man sie mit der Lupe suchen muss. Für jüngere Leser: Stellt euch vor, jemand verurteilt euch zu drei Wochen Facebook-Entzug. Und dann schmuggelt euch einer für fünf Minuten ein Smartphone in die Zelle.

Ich werde aber den Teufel tun und Hamm weiter preisen. Sonst wollt ihr alle hier hin. Und dann ist nix mehr mit bezahlbaren Mieten, das geht ja jetzt schon los. Also bleibt, wo ihr seid! Ganz toll szenig, habe ich gehört, soll es ja in der Schanze und im Karoviertel sein. Bitte zieht da hin, lärmt und dreckt alles voll – und macht einen weiten Bogen um mein Hamm!


Hammer Hämmer – Mein monatlicher Kiezrundgang | Februar 2014

"Hammer Hämmer – Mein monatlicher Kiezrundgang | Februar 2014″ von Oliver Driesen (www.zeilensturm.de)

Ich brauche ja momentan gar nicht weit laufen, um der Vergänglichkeit alles Irdischen gegenüber zu stehen (nein, ich rede nicht vom Badezimmerspiegel). Raus aus der Haustür, schräg über die Kreuzung – und da ist es. Beziehungsweise: Da fehlt es. Ist eine Lücke nun etwas, das da ist, oder etwas, das nicht da ist? Das wäre mal eine Doktorarbeit wert.

Jedenfalls fehlt schräg gegenüber, 50 Meter von meiner Haustür, auf einmal ein vertrauter Anblick: der Ünüvar. Der Ünüvar war der von der gleichnamigen türkischen Familie betriebene EDEKA-Supermarkt an der Kreuzung Horner Weg / Caspar-Voght-Straße. Sie haben ihn endlich abgerissen, komplett eingeebnet, nach zwei Jahren Leerstand.

Er war ein ungewöhnlich eleganter, zweistöckiger Flachbau aus den sechziger Jahren, mit seiner mediterran-relaxten Dachterrasse, dem an die Ägäis erinnernden, türkisen Klinker-Dekorstreifen auf der weißen Fassade – und vor allem mit diesem schwebend-leichten, verglasten Wendeltreppenhaus. Ein Solitär inmitten einer roten Backsteinwüste. Einer mit Charakter, der bis zum Schluss für Überraschungen gut war.

Wenn ein Haus so lange dort stand, wie man selber da wohnte, dann kommt es einem irgendwann vor wie ein Stück Landschaft: unveränderlich, nicht wegzudenken. Aber das sind Häuser nicht. Häuser sind nur leere Hüllen, dem menschlichen Leben unterworfen. Und nichts ist wechselhafter als das Leben. Deshalb war vor zwei Jahren Schluss für den Ünüvar. Die Waren und die Ladeneinrichtung wurden abtransportiert, Leerstand und Verfall begannen. Und dauerten, viel länger als gedacht.

Aber dann plötzlich verkleidete sich das Haus, als wolle es statt zu sterben lieber als bunter Schmetterling wegflattern: Kunstvolle Kulissen verwandelten es in eine Bad Segeberger Sparkassenfiliale aus dem Jahr 1969. Eine Filmcrew von Hollywood-Ausmaßen brach über unser Quartier herein und drehte im Ünüvar den letzten Überfall der ersten deutschen Bankräuberin nach, samt Platzpatronen und Kunstregen. Danach: wieder Leerstand.

Dann die nächste und letzte Verwandlung: Die Bürger von Hamm eroberten den Ünüvar als Kommunikationszentrum zurück, wenn auch nur für eine phantasievolle Woche, beim „Hammtrara" im Sommer 2013. Noch einmal wurden die rot- und blauweiß gestreiften Markisen des Ladenlokals rausgekurbelt, noch einmal entfaltete der Ünüvar seinen Mittelmeer-Charme, der selbst wortkargen Hamburgern Zunge und Krawatte lockerte.

Dann wieder Leerstand. Auch die letzten Hausbewohner zogen aus. Die psychiatrische Arztpraxis vom ersten Stock hinterließ per Schild am inzwischen errichteten Bauzaun ihre neue Adresse. Eines Mittwochs kamen die Bagger, und dann ging alles schnell.

Das heißt: Noch einmal schien der todgeweihte Ünüvar Zeit zu schinden. Unbekannte brachen nachts in den abgestellten Abrissbagger ein, schlossen ihn kurz und luden damit dreist den aufgehäuften Metallschrott auf ihre Lastwagen um, um das Metall zu Geld zu machen. Dass der Bagger dabei demoliert wurde, verzögerte den Abriss, ein paar Tage lang.

Und nun – bevor ein neues Zeitalter beginnt und dort Wohnungen entstehen, die bis zu einer halben Million Euro kosten sollen – hat der Ünüvar vielleicht noch eine allerletzte Schlusspointe auf Lager: Der Kampfmittelräumdienst muss anrücken und sondieren, ob in den Tiefen des Erdreichs noch Bomben-Blindgänger aus dem Weltkrieg lauern.

Falls er fündig wird, hoffe ich, dass die Feuerwerker den grünen und nicht den roten Draht durchschneiden. Sonst wäre das Abschied mit Knalleffekt, den wirklich niemand braucht.

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